Posen, knipsen, posten: Social Media als Chance verstehen!

Fotografieren war eigentlich nur Leidenschaft. Doch plötzlich war es Business. Das kam von heute auf morgen, sagt Philip Eidam, den man in der Szene nur unter seinem Künstlernamen Philip Svigersøn kennt. Der 24-Jährige schaffte den Sprung vom Niemand zum gefragten Fotografen und Kameramann dank Instagram. Und er sagt: Unternehmen, die Social Media nicht ernst nehmen und nutzen, machen einen großen Fehler!
Foto: Philip Svigersøn
Die Anfänge? Völlig unspektakulär! Philip Svigersøn lief im Urlaub und auf Partys immer mit einer Kleinbildkamera seiner Eltern rum. Zum ersten Mal vor rund drei Jahren. Analoge Fotografie. Erst knipsen, dann sehen, was man gemacht hat. „Die analogen Bilder habe ich dann eingescannt und auf Instagram hochgeladen.“ Das Social Media Netzwerk mit dem Schwerpunkt „schöne Bilder“ ist bis heute seine wichtigste Business-Plattform.

Der Andernacher findet Gefallen am Fotografieren, schafft sich für 150 Euro die billigste Canon-Kamera an, die im Regal steht. Eine Woche später hat er plötzlich Bausa vor der Linse, einen bekannten deutschen Rapper. „Das Spack-Festival in Wirges suchte damals einen Festivalfotografen. Und da habe ich einfach angerufen und gesagt: Holt mich da hin.“ Sie holten ihn, quasi ohne Honorar. Sein Lohn war die Nähe zu den Künstlern – im Backstagebereich, im Fotograben vor der großen Bühne. Svigersøn hätte schüchtern in der Ecke stehen und seine Fotos machen können. Er wäre als Philip wieder nach Hause gefahren, der mal ein bisschen an den „Stars“ schnuppern durfte, mehr nicht. Doch Svigersøn macht es anders. Spielt mit Bausa und Sxtn. Fußball, sucht den Smalltalk, knüpft erste Kontakte – und steht am Abend nicht einfach wie die anderen Knipser im Fotograben, sondern plötzlich mit Bausa auf der Bühne. Und das alles ohne fundierte Ausbildung. „Ich hatte keine Ahnung, wie Fotografie funktioniert. Nur mein Bauchgefühl. Und plötzlich stand ich mit Bausa da oben. Unglaublich, was du hier erlebst, habe ich mir gedacht. Und: Scheinbar funktioniert deine Art.“
Foto: Philip Svigersøn
Philip Svigersøn geht volles Risiko, hängt seine Ausbildung als Marketing-Kaufmann an den Nagel. „Ich wollte mein eigenes Ding machen.“ Durch einen Zufall lernt er im Jahr 2019 in Köln den YouTuber Leeroy Matata kennen. Ein anderer Fotograf war ausgefallen, Svigersøn produzierte an diesem Tag Pressebilder für Leeroy. „Mein erster bezahlter Job. Ich habe da zwei Stunden Bilder gemacht und gemerkt: Okay, geil, das klappt scheinbar auch. Danach habe ich damit begonnen, mein Equipment immer weiter aufzubessern und mich noch professioneller aufzustellen.“

Als er bei einer anderen Gelegenheit Leeroy Matata und seinen Bruder in einem Kölner Café trifft, fragt ihn dieser: „Was machst du eigentlich nächstes Jahr? Komm doch zu uns!“ Philip Svigersøn nimmt die Chance wahr, zieht nach Köln, wird Hauptkameramann von Leeroy Matata. Gemeinsam gelingt es Ihnen, den Moderator und Künstler zu den fünf erfolgreichsten YouTubern in Deutschland zu machen. Matata hat mit unterschiedlichen Formaten mehr als 2 Millionen Follower. Seine Videos wurden schon mehr als 170 Millionen Mal angeklickt.
Foto: Philip Svigersøn
„Ich war als Leeroys rechte Hand ganz nah dran, habe ihn öfters gesehen als meine Familie. Ich habe plötzlich die krassesten Leute getroffen. Ich könnte jetzt eine halbe Stunde lang nur Namen prominenter Menschen in den Raum werfen. Eine unglaubliche Zeit. Wenn du plötzlich neben Jürgen Klopp sitzt oder bei Katja Krasavice im Wohnzimmer, dann ist das schon ziemlich verrückt.“ Svigersøn hatte nicht mit Ausbildung und Erfahrung gepunktet, sondern mit dem Willen es zu schaffen, mit seiner Art und mit dem Wissen, wie man Social Media dafür nutzen kann, sein eigenes Business zu promoten.

Deshalb rät Svigersøn auch Unternehmen, die sozialen Netzwerke nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. „Im Gegenteil, nehmt diese Chancen und Möglichkeiten sehr ernst! Zu sagen, wir haben da einen Praktikanten, der kann mal ein bisschen Social Media machen, ist definitiv der falsche Weg. Man muss ganzheitlich denken, um dem Thema und dem Konsumenten am anderen Ende der Leitung auch gerecht zu werden.“
Foto: Philip Svigersøn
Philip Svigersøn hat sich als Unternehmer selbst klare Ziele gesetzt, wie er bei Instagram nicht aus dem Fokus seiner (potenziellen) Kunden fällt. „Manchmal hilft es wirklich, sich eine To-Do-Liste zu erstellen. Wenn man vom Algorithmus nicht rausgeschmissen werden möchte, dann sollte man kontinuierlich mehrfach täglich in der Story und bei den Beiträgen aktiv sein. Und ganz wichtig: Wenn die meisten Mitarbeiter nach Hause gehen, darf nicht der Social-Media-Hammer fallen. Denn genau dann greifen die Leute ja zum Handy und möchten sich informieren oder unterhalten werden.“

Svigersøn sieht Plattformen wie Instagram auch als eine ganz wichtige Chance zur Mitarbeiterakquise. „Potenzielle neue Mitarbeiter informieren sich genau dort und wollen einen ersten Eindruck bekommen. Transparenz ist wichtig. Und wenn sich Unternehmen schwertun, einen Anfang zu finden, dann macht es sicherlich auch Sinn, sich zunächst externe Hilfe oder einen Mentor mit an Bord zu holen. Aber man sollte nicht denken, dass das Ding dann von allein läuft. Unternehmen sollten verstehen, dass Social Media fest in den Arbeitsalltag gehört und es dafür Mitarbeiter geben sollte, die sich ausschließlich darum kümmern – zumindest ab einer gewissen Unternehmensgröße. Denn sonst verpassen sie viele gute Chancen, sich in der digitalen Welt zu präsentieren.“
Redakteur: Tom Neumann
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