Das E-Rezept: „Apotheken müssen sich jetzt positionieren“

Apotheke digital denken. Geht das? Es geht! Und vermutlich muss es sogar! Denn auch vor dem Ort, an dem es Medikamente und Hustenbonbons gibt, macht der Wandel unserer Zeit nicht halt. Mitdenken. Vorreiter sein. Die Kunden dort abholen, wo sie einen brauchen. So denkt und handelt man bei Paulus & Thewalt, einer Druckerei und Ideenschmiede aus Höhr-Grenzhausen. Aktuelles Lieblingsthema: das E-Rezept, und wie man Apotheken bei Marketing und Einführung unterstützen kann.
Foto: Marcus Wagner
Eine Online-Videokonferenz. Der Ort, an dem man sich eben trifft in Zeiten von Corona. Die Fachmesse findet vor dem Bildschirm statt. Und auf dem Bildschirm flimmert ein Vortrag der WEPA, Titel: Das E-Rezept kommt! Die WEPA kümmert sich seit mehr als 130 Jahren als familiengeführtes Unternehmen um Apothekenbedarf. Als Partner der deutschen Apotheken mit Sitz in Höhr-Grenzhausen beschäftigt das Unternehmen bundesweit 450 Mitarbeitende, davon allein 50 Außendienstler, die in Nicht-Corona-Zeiten tagtäglich in den Apotheken im Einsatz sind. Die WEPA versteht Apotheke – und ist eine 100-prozentige Tochter der Druckerei Paulus & Thewalt.

„Wir als Druckerei Paulus & Thewalt denken natürlich viel in neuen Prozessen und beschäftigen uns sehr intensiv mit dem Thema Digitalisierung“, sagt Druckereileiter Marcus Wagner. Bereits im vergangenen Jahr installierte man einen exklusiven Web-to-Print-Shop für die deutschlandweit 19.500 Apotheken. Parallel dazu startete man eine Kampagne zum Thema E-Rezept. „Es ist wichtig, dass die Apotheken bei diesem Thema Präsenz zeigen. Der Wettbewerb schläft nicht, und schon gar nicht online.“ Versandapotheken wie DocMorris haben sich längst ein Stück vom Kuchen genommen – und sind noch lange nicht satt.

„Wir haben diese Einflüsse in der Branche natürlich gemerkt“, sagt Wagner. „Der Versandhandel, gerade aus dem Ausland, ist auf dem deutschen Apothekenmarkt angekommen. Umso wichtiger ist es, dass man sich diesem Wettbewerb stellt. Wir sind Partner der inhabergeführten Apotheken. Und diese unterstützen wir auf diesem Wege aktiv.“

Zum Beispiel mit allem, was die Apotheken zum Thema E-Rezept benötigen. Zum Verständnis geht es zurück an den Bildschirm, zum Vortrag der WEPA – das E-Rezept kommt! Was heißt das? Die bisher auf Papier gedruckten Rezepte sollen vollständig verschwinden. Stattdessen werden Rezepte zukünftig in elektronischer Form ausgestellt. Ziel ist es, die Umstellung bis zum 1. Januar 2022 umgesetzt zu haben. Auf der Internetseite des Bundesministeriums für Gesundheit klingt das so: „Damit die Behandlung mit Arzneimitteln sicherer wird, Abläufe in der Arztpraxis und der Apotheke vereinfacht werden und auch die Zettelwirtschaft aufhört, führen wir ab Januar 2022 das E-Rezept ein.“
Foto: Paulus & Thewalt GmbH
Das Gesetz, mit dem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn das E-Rezept in der Gesundheitsversorgung einführt, ist das „Gesetz zum Schutz elektronischer Patientendaten in der Telematikinfrastruktur (Patientendaten-Schutz-Gesetz –PDSG)“. Das Gesetz ist am 20. Oktober 2020 in Kraft getreten. Dieses gibt die verpflichtende Nutzung des E-Rezepts bei der Verordnung von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln ab Januar 2022 vor. Für die Übermittlung des E-Rezepts wird die sichere Telematikinfrastruktur im Gesundheitswesen verwendet werden. Patientinnen und Patienten können entscheiden, ob sie ihr E-Rezept per Smartphone und einer sicheren E-Rezept-App verwalten und digital an die gewünschte Apotheke ihrer Wahl senden wollen oder ob ihnen die für die Einlösung ihres E-Rezepts erforderlichen Zugangsdaten in der Arztpraxis als Papierausdruck ausgehändigt werden sollen.

Zurück in die Ideenschmiede von Paulus & Thewalt. Marcus Wagner spürt den Umbruch in der Apotheken-Landschaft: „Die Apotheken waren in der Vergangenheit ein bisschen verwöhnt und hatten ihre Position sicher. Jetzt aber müssen sie selbst noch viel aktiver werden, und auf diesem Weg möchten wir sie unterstützen. Denn da rückt auch im Konsumverhalten eine Generation nach, für die digitalisierte Prozesse völlig normal ist.“

Paulus & Thewalt hat seine Rolle in der neuen Welt längst gefunden, nicht ohne sie jedoch stetig anzupassen. „Wir bieten den Apotheken schon länger Servicedienstleistungen an, wie sie früher klassisch von einem Grafikbüro oder einer Marketingabteilung geleistet wurden. Wir entwerfen alles – vom Logo bis hin zum fertigen Artikel. Aber das haben wir schon immer als einen Mehrwert für unsere Kunden gesehen. Wir erhalten jährlich 50.000 Anfertigungsaufträge. Unsere Kunden können diese E-Rezepte online gestalten und an uns weiterreichen.“

Beim E-Rezept hat man mit der Kampagne klare Botschaften transportiert: Es gilt, sich jetzt auf dem Markt zu positionieren! Es gilt schon heute, die Menschen vor Ort davon zu überzeugen, ihre E-Rezepte in der Apotheke des Vertrauens einzulösen und nicht im Internet bei Versand-Dienstleistern. „Dafür haben wir Kampagnenideen entwickelt, individualisierbar für die Apotheke vor Ort, einfach zu adaptieren auf unterschiedliche Produkte“, sagt Marcus Wagner. „Corona hat natürlich auch hier dazu geführt, dass sich Prozesse beschleunigen. Umso wichtiger ist es, diese Entwicklung jetzt nicht zu verpassen.“ Denn Apotheke digital zu denken – das geht nicht nur, das muss sogar, will man auch in Zukunft noch seine Position am Markt behaupten.
Redakteurin: Gudrun Göller
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