Digitale Revolution: Kleiner Aufwand, große Ersparnis

Da war diese erste Idee: das klassische Fahrtenbuch digitalisieren. Doch auf der Suche nach Geldgebern für ihr Start-up bekamen Andreas Schneider und seine Mitstreiter nicht selten zu hören: „Klingt langweilig.“ Die Begeisterung war überschaubar. Heute sagt Schneider: „Im Rückblick hat das der Firma sehr gut getan.“
Denn so konnten sie sehr intensiv den Markt studieren und ihre Kunden sehr eng kennenlernen. Heute ist das Vimcar Fahrtenbuch fest am Markt etabliert und mehrfach ausgezeichnet. Und mit der Vimcar Fleet haben die Gründer bereits das nächste heiße Eisen auf dem Markt: Eine Fuhrparkmanagement-Software für den Mittelstand.

Die Erfolgsgeschichte von Vimcar beginnt mit einem Forschungsprojekt bei Audi. Eine Gruppe Studenten um Andreas Schneider machte sich Gedanken darüber, was man mit Fahrzeugdaten so alles anstellen könnte. „Wir sind das Thema damals sehr technisch angegangen und dabei auf viele Anwendungsfälle gestoßen, die aus Kundenperspektive sehr interessant waren.“ Doch ein System nur für eine einzelne Marke zu entwickeln „wäre zum Scheitern verurteilt gewesen“, sagt Schneider. Also gründete er im Jahr 2013 gemeinsam mit Christian Siewek und Lukas Weber das Start-up Vimcar in Berlin. Das Ziel: Fahrzeuge herstellerübergreifend vernetzen und Firmenwagen und Fuhrparks digitalisieren. „Unsere Freunde und Familien fanden das Thema zwar spannend, waren sich aber unsicher, ob man darauf ein Unternehmen aufbauen kann. Wir aber haben die Nische gesehen und es probiert.“

In einem ersten Schritt widmen sich Schneider und seine Kollegen einem lästigen Mühsal: dem handschriftlichen Fahrtenbuch. Vimcar nutzt die sogenannte OBD-Schnittstelle in Autos, die dazu genutzt wird, um Daten auszulesen. Das Start-up entwickelt einen Stecker, der unkompliziert diese Schnittstelle nutzt, um ein digitales Fahrtenbuch zu führen. Nur ein Jahr später kooperiert der Deutsche Steuerverband erstmals und exklusiv mit einem Fahrtenbuchanbieter – mit Vimcar. Das war der Beleg dafür, dass das System auch strengsten Vorgaben der Finanzbehörden standhält.

„Als wir die Steuerberater und die Finanzbranche von unserem Produkt überzeugen konnten, war das ein wichtiger Meilenstein“, sagt Andreas Schneider. „Für unsere Kunden ist der Steuerberater der glaubwürdigste Ansprechpartner. Das war einer der Schlüssel zum Erfolg.“ Es folgen Kooperationen mit der Finanzsoftware Haufe-Lexware und Media Markt, auch die Steuerberatergenossenschaft DATEV empfiehlt das digitale Fahrtenbuch des Berliner Start-ups. Wenig später erhält Vimcar ein Rekord-Investment im deutschen Connected Car-Bereich in Höhe von 5 Millionen Euro. Die Idee vom digitalen Fahrtenbuch ist längst nicht mehr so langweilig wie einst von einigen Investoren gedacht.

„Dem kleinen Start-up Vimcar scheint zu gelingen, woran große Autohersteller scheitern.“

DER SPIEGEL
Doch für Vimcar war das Fahrtenbuch nur ein erster Schritt – längst wurden Technologien und Visionen weiterentwickelt. Entstanden ist so die Vimcar Fleet. „Ein tolles Tool, vor allem für kleine und mittlere Unternehmen“, sagt Schneider. „Die haben meistens keine Person, die sich ausschließlich um die Fuhrparkverwaltung kümmert. Vielmehr macht das noch irgendjemand nebenbei – manchmal jemand aus der Buchhaltung, manchmal die Assistenz der Geschäftsführung. Dabei bleibt im Alltag wenig Zeit für all die Themen rund um den eigenen Fuhrpark.“ Besonders, wenn dieser eben nicht das Kerngeschäft ist.

Vimcar hatte den Anspruch, ein Produkt zu entwickeln, mit dem die große Mehrzahl der Fuhrparks unterstützt werden kann – mit einer Größe von beispielsweise 5, 10 oder 30 Fahrzeugen. „Diese Firmen und Unternehmer möchten sich ja nicht jeden Tag mit den Autos beschäftigen. Die haben ganz andere Themen. Unsere Software Vimcar Fleet nimmt vor allem den Stress aus dem Alltag raus und lässt das Fuhrpark-Management elegant in den Hintergrund rücken.“

Die von Vimcar entwickelte Software greift auf Daten aus dem Global Positioning System (GPS) zu, um die aktuelle Position von Fahrzeugen zu erfassen. Daraus lassen sich Informationen wie die zurückgelegte Wegstrecke ableiten. Für jedes Fahrzeug gibt es eine digitale Fahrzeugakte mit allen relevanten Daten wie Positionsdaten, Kraftstoffverbrauch, Kostenmanagement und Fahrzeugbuchung. Der eigene Fuhrpark kann so effizient und automatisiert geführt werden. „In einem nächsten Schritt werden wir auch Versicherungen und Werkstätten als Kooperationspartner in die Software integrieren und damit das Fuhrparkmanagement noch weiter vereinfachen“, sagt Schneider, dessen Team heute mehr als 120 Mitarbeiter groß ist. „Wir alle haben ein gemeinsames Ziel: Fleet Management neu zu definieren.“
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