10 Kinder, 3 Katzen, 2 Hunde, Hasen und Bürgermeister

Eigentlich war Maximilian Mumm Polizist – und das mit voller Leidenschaft. Doch dann rutschte er irgendwie in die Kommunalpolitik – und ist nun schon seit mehr als zehn Jahren Bürgermeister der Verbandsgemeinde Maifeld. Wie das kam, und wie man parallel einen Haushalt mit zehn Kindern managt, verrät Mumm im Interview mit dem Unternehmermagazin Mittelrheinland.
Herr Mumm, wann sind Sie heute früh aufgestanden?

Ich stehe immer um 6:30 Uhr auf.

Und wann haben Sie heute Abend Ihren letzten Termin?

Ich denke so gegen 19:00 Uhr.

Ein Traumjob?

Ich mache das sehr gerne. Ich war mit Leidenschaft Polizeibeamter und bin mit der gleichen Leidenschaft heute Bürgermeister der Verbandsgemeinde. Das macht mir sehr viel Spaß. Man ist sehr dicht bei den Leuten und das Schönste, was man machen kann, ist, wenn man jemandem helfen kann.

Auch wenn es so intensiv ist, die Tage so lang sind und die Wochenenden so kurz?

Der Vorteil ist, dass ich auch bei der Polizei schon immer im Schichtdienst gearbeitet habe. Das heißt, ich war auch dort regelmäßig zum Beispiel am Wochenende im Einsatz. Von daher war das für mich keine große Umstellung. Nur die Art der Termine ist eine andere. Aber ich war es schon immer gewohnt, abends oder am Wochenende oder an Feiertagen zu arbeiten. Und auch meine Frau und meine Kinder kennen das nicht anders.

Wie ist aus dem Polizisten Maximilian Mumm der Berufs-Kommunalpolitiker Maximilian Mumm geworden? Und das auch noch bei der SPD, obwohl der Vater CDU-Anhänger war?

Ich bin, wie viele andere in der damaligen Zeit, durch Helmut Schmidt zur SPD gekommen. Er hat mir in meiner Jugend imponiert mit dem, was er gesagt und getan hat. Mein Vater war schon immer ein strammer CDU-Wähler – und ist es auch heute noch. Aus der Oppositionsrolle ist bei mir Leidenschaft geworden, die Kommunalpolitik war aber eher ein Zufallsprodukt. Ich bin 1997 nach Münstermaifeld gezogen. Und weil jemand wusste, dass ich in der SPD bin, wurde ich angesprochen, ob ich nicht für den Stadtrat kandidieren wolle. In den wurde ich 1999 gewählt, ein Jahr später kam die Frage auf, ob ich nicht für das Amt des Stadtbürgermeisters kandidieren möchte. Ich habe mir 14 Tage Gedanken gemacht und mir dann gesagt: Warum nicht? Schließlich ist es immer gut, wenn man den Menschen eine Alternative bietet. Mit meiner Wahl zum Stadtbürgermeister im CDU- geprägten Münstermaifeld hatte ich nicht gerechnet, aber die Wähler haben das damals anders gesehen. Und so war ich achteinhalb Jahre Stadtbürgermeister, bis ich 2009 als Bürgermeister- kandidat für die Verbandsgemeinde antrat. Auch da war meine Sichtweise: Ihr könnt mich wählen oder auch nicht. Hierfür stehe ich als Mensch, hierfür steht meine Partei, entscheidet selbst. Und das ist dann daraus geworden.

Sie sind im Juni 2009 in einer Stichwahl erstmals zum Verbandsgemeinde-Bürgermeister gewählt worden – mit damals 56,84 % der Stimmen. Haben Sie noch Erinnerungen an den Wahltag?

Absolut. Ich weiß noch, dass ich mir nicht sicher war, ob es reichen würde. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass die Menschen mir in der Mehrheit ihr Vertrauen geschenkt haben. Gleichzeitig hatte ich aber auch ein weinendes Auge, denn mit der Wahl war klar, dass ich meine Polizeiuniform, die ich immer mit viel Idealismus getragen habe, ausziehen musste. Dass ich nach acht Jahren im Amt 2017 mit mehr als 87 % der Stimmen im Amt bestätigt wurde, macht mich natürlich stolz. Und meinen Vater übrigens auch (lacht).

Sie haben eben den Namen Helmut Schmidt genannt. Fehlen uns heute Politiker seiner Klasse?

Ja. Und da reden wir nicht nur über Helmut Schmidt, sondern auch über Politiker anderer Parteien, die Großes geleistet haben. Diese Charaktere und Persönlichkeiten fehlen uns, was schon ein bisschen traurig ist. Wenn ich mit den Leuten spreche, dann sage ich, was ich denke, und erzähle keine Märchen. Man muss als Politiker zu dem stehen, was man sagt und tut und sich auch mal in den Wind stellen und dabei stehen bleiben.

Als Sie 2017 wiedergewählt wurden, hat der Landrat sie damals sogar mit Helmut Schmidt verglichen und gesagt: „Man kann sich herzerfrischend mit Dir streiten.“ Hört man so was gerne?

Ja, das hört man gerne. Weil es mir zeigt, dass meine Art, wie ich mit Menschen umgehe, die richtige ist. Man muss immer in der Lage sein, sich vernünftig auseinanderzusetzen, am Ende muss es aber immer auch zu einem anständigen Ergebnis kommen. Ich sage immer: Wenn die Sitzung rum ist und die Tür zugeht, dann sollten wir alle noch ein Bier zusammen trinken können. Eine Auseinandersetzung kann bei aller Ernsthaftigkeit auch mal lustig sein, darf aber nie persönlich oder beleidigend oder unsachlich werden. Am Ende muss immer etwas Vernünftiges dabei herauskommen.

Wenn man die Medien verfolgt, dann hat man den Eindruck, Politik in der heutigen Zeit ist eine undankbare Aufgabe. Warum klingt das bei Ihnen nicht so?

Die Politik in Mainz und Berlin – dort würde ich übrigens nie hinwollen – ist viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Im kommunalen Bereich bekommen Sie nur etwas erreicht, wenn man gemeinsam etwas bewegt. Von Berlin wird jedoch derzeit eine Politikverdrossenheit par excellence vorgelebt. Und dann muss man sich nicht wundern, wenn die Menschen das abstoßend finden. Ich rede immer gerne über meine Partei, aber wenn man sich aktuell unsere Parteispitze anschaut, dann darf man sich nicht wundern, wenn man bei 12,5 % ist. Politik hat immer viel mit Menschen zu tun. Und es fehlen einfach, wie eben schon gesagt, die großen Persönlichkeiten. Politik muss in der Lage sein, die Menschen mitzuziehen und mitzunehmen. Davon ist sie im Land und im Bund derzeit weit entfernt. Mir persönlich macht Kommunalpolitik Spaß, weil man nah dran ist an den Menschen und weil man gestalten kann.
Maximilian Mumm beim Griesson - de Beukelaer Stadtlauf in Polch.
Apropos gestalten – das können Sie nicht nur im Büro, sondern auch daheim. Sie haben zehn Kinder, davon fünf Pflegekinder. Hatten Sie zuhause schon mal Langeweile?

(lacht) Da kommen auch noch ein paar Hasen, drei Katzen und Schäferhunde dazu. Also bei uns ist immer was los. Man muss das natürlich relativieren: Eine Tochter lebt in Amerika, eine andere ist ebenfalls schon ausgezogen. Aber wir haben tatsächlich vom Kleinkind bis zum Studierenden alles zuhause.
Wie lässt sich das mit dem zeitintensiven Beruf als Verbandsgemeinde-Bürgermeister vereinbaren?

Natürlich ist der Job intensiv, aber ich bin hier nicht der Nabel der Welt und auch nicht der wichtigste Mensch in der Verwaltung. Das sind die Menschen, die hier arbeiten und dies mit Freude tun. Und wenn man sich selbst nicht so wichtig nimmt, sondern als Teil eines starken Teams sieht, dann kann man auch Job und Familie sehr gut miteinander vereinen. Natürlich gehört dazu auch eine starke und selbstbewusste Frau, die ebenfalls klare Wünsche und Vorstellungen vom Leben hat und diese auch umsetzt.

Was macht die Verbandsgemeinde Maifeld lebens- und liebenswert?

Wir haben eine sehr gute Infrastruktur. Das beginnt für Familien beim Betreuungsangebot vom Kindergarten bis in die Schulen. Wir haben hier acht Jugendarbeiter – so viele werden sie im Umkreis nicht finden. Bis auf wenige weiße Flecken, die wir gerade abarbeiten, haben wir eine sehr gute Breitbandversorgung, was heute ein sehr wichtiger Faktor ist. Wir engagieren uns bei der hausärztlichen Versorgung, haben faire Baulandpreise und eine gute verkehrstechnische Anbindung. Kurzum: Bei uns kann man schön und ruhig auf dem Land leben und findet trotzdem eine sehr gute Infrastruktur vor.

… und es gibt sogar Wasserbüffel!

Das stimmt. Und die kommen auch richtig gut bei den Leuten an.

Wie wichtig ist Ihnen der Dialog mit den Wirtschaftsunternehmen in ihrer Verbandsgemeinde?

Der ist sehr wichtig. Ich habe schon 2009 – vor und nach meiner ersten Wahl – die Firmen in der Verbandsgemeinde besucht. Das sind allesamt wichtige Arbeitgeber und sie sind obendrein wichtig für die Gewerbesteuer, denn davon leben wir als Kommune. Mir ist es sehr wichtig, für die Firmen da zu sein und ihnen zu helfen, wenn notwendig. Wir haben mit Ochtendung und Polch zwei für uns sehr wichtige Wirtschaftsstandorte. Da ist es wichtig, im engen Kontakt zu bleiben, damit Probleme möglichst frühzeitig erkannt werden können. Und natürlich ist es auch wichtig, als Standort zu werben und für neue Firmen attraktiv zu sein.

Was sind aus wirtschaftlicher Sicht die größten Herausforderungen, denen Sie sich gemeinsam mit der Wirtschaft im Maifeld derzeit stellen müssen?

Da sehe ich zwei große Themen. Zum einen den Fachkräftemangel in den unterschiedlichsten Bereichen. Und zum anderen aber auch die Rahmenbedingungen, die der Bund und die EU schaffen. Da gibt es viele Vorschriften bis hin zur Kassenbon-pflicht, die die Unternehmen hemmen. Die sagen: Wir wollen arbeiten und produzieren, bekommen aber immer mehr Steine in den Weg gelegt. Leider kann ich daran auch nicht viel ändern.

Wir haben am Anfang gehört, wie lang Ihre Arbeitstage sind. Wann können Sie abends beruhigt zu Bett gehen und sagen: Heute war ein guter Tag?

Wenn ich abends im Kinderzimmer liege und mit den Kids spiele oder noch meinen Sport gemacht habe oder mit den Hunden spazieren war. Wichtig ist für mich, abends nach Hause zu kommen, die Türe zu schließen und dann ein wohliges Gefühl zu haben.
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