Nachhaltige Verpackungsgestaltung beginnt bei den Unternehmen

Viele Kunststoffverpackungen lassen sich nach wie vor nicht sinnvoll recyceln. Materialmix, Plastikvielfalt und Zusatzstoffe verhindern die Wiederverwertung im geschlossenen Wertstoffkreislauf. Dabei gibt es schon lange ein innovatives Verfahren, um hochwertige Recyclingmaterialien, also Recyclat aus Plastikmüll, zu gewinnen. Das spart Ressourcen und schont die Umwelt.
Foto: Der Grüne Punkt
Bedingt durch den Corona-Shutdown steigen die Abfallmengen aus Privathaushalten an. Im Gelben Sack beziehungsweise der Gelben Tonne finden sich seit März 2020 etwa zehn Prozent mehr Verpackungsabfälle. Zwar sind gleichzeitig weniger Abfälle in Gewerbe und Industrie zu verzeichnen, weil viele Betriebe kurzarbeiten und ihre Produktion gedrosselt haben, doch die Mengen an Kunststoffbehälter nehmen zu. „Es wird aus hygienischen Gründen mehr verpackt und Restaurants konnten zeitweise Speisen nur noch zur Abholung anbieten – natürlich in Plastik verpackt“, erklärt Michael Wiener, CEO von Der Grüne Punkt.

40 Sortieranlagen stehen in Deutschland bereit, um jährlich aktuell etwa 2,7 Millionen Tonnen Verpackungsabfall in den gelben Säcken und Tonnen für die Rückführung in den Wirtschaftskreislauf vorzubereiten. Hierfür wird der komplette Abfall aus den gelben Säcken und Tonnen angeliefert und durch eine komplexe Sortiertechnik nach Kriterien der Verwertbarkeit getrennt, dann in Recyclingwerken zerkleinert, gereinigt und aufbereitet. Die Scanner erfassen alle Kunststoffbehälter solange eine entsprechende Oberfläche dafür frei ist.

Doch Plastikflaschen, deren Etiketten beispielsweise eine bestimmte Größe überschreiten, werden in der Sortieranlage fehlerhaft als Papier ausgewiesen und können daher nicht recycelt werden. Also kann ein technischer Kreislauf nur dann geschlossen werden, wenn die darin genutzten Produkte auch kreislaufgeeignet sind. Dafür müssen die Wertstoffe dann aber eindeutig identifiziert werden können. Daraus resultierend ist schon die Gestaltung von Verpackungen so wichtig, da bereits kleine Änderungen die Verwertbarkeit oft maßgeblich verbessern, ohne die Hauptfunktionen zu beeinträchtigen.

Kunststoffverpackungen recycelgerecht gestalten

Umweltfreundliche Verpackungen zeichnen sich nicht nur durch den Einsatz der jeweiligen Materialien und Rohstoffe aus, sondern werden auch maßgeblich vom Design und der Verarbeitung beeinflusst. Design4Recycling ist der Lösungsansatz vom Grünen Punkt und bedeutet: Schon bei der Herstellung an die Recycelbarkeit des eingesetzten Materials zu denken und für eine recyclinggerechte Konstruktion zu sorgen. „Design4Recycling ist nicht neu,“ erklärt Norbert Völl, Pressesprecher von Der Grüne Punkt. „Bereits mit Gründung des Unternehmens haben wir fortlaufend an der Verbesserung der Produkte gearbeitet, um schon durch nachhaltiges Verpackungsdesign einen maximalen Erfolg bei der Verwertung sicherzustellen“. Erst mit der aufkommenden Diskussion um das Thema „Kunststoffabfälle, Ressourcen und Umwelt“ vor etwa sechs Jahren wurde das öffentliche Interesse an diesem Verfahren größer. Helle Farbgebung bei Kunststoffverpackungen oder die Verwendung von Monomaterialien statt Materialmix führen bereits zu positiven Auswirkungen auf die Recycelbarkeit. Für die jeweilige Verpackung optimierte Etiketten- oder Verschlusslösungen und eine gute Trennbarkeit von Komponenten im Recyclingprozess sind ebenfalls zielführend.
Foto: Der Grüne Punkt

Rezyklate – eine echte Alternative

Mit Kunststoffverpackungen etwa von Werner & Mertz („Frosch“), die aus Abfall hergestellt sind, wurde der Recyclingkreislauf geschlossen: Aus einer Kunststoffverpackung aus dem Supermarktregal ist erneut eine Kunststoffverpackung für das Supermarktregal geworden. Ein Grundstoff dafür ist Systalen, das Kunststoffrezyklat des Grünen Punkts. Für die Herstellung dieser Produkte gibt es jedoch sehr hohe Qualitätsanforderungen an das Material. Es muss zum Beispiel: durchsichtig, geruchslos sowie mechanisch belastbar sein und gegen Kräfte von außen – einem eventuellen Zug, Druck oder Schub – standhalten.

Innovatives Kunststoffrecycling

„Technisch ist das hochwertige Recycling von Kunststoffabfall längst möglich – wirtschaftlich aber kommt es nicht voran“, erklärt CEO Wiener. Der Grund: „Neue Kunststoffe werden wegen fallender Erdölpreise und großer Herstellungskapazitäten immer billiger, während das Kunststoffrecycling immer noch eher ein Nischengeschäft ist“. Mit dem Rezyklat Systalen ist der Grüne Punkt auch Kunststoffgranulat-Hersteller und hat mit seinen Regranulaten eine echte, umweltfreundliche Alternative zur Kunststoff-Neuproduktion entwickelt. Systalen kann Neukunststoffe bei Spritzguss, Extrusion und Blasformen ersetzen. Zahlreiche Unternehmen und Kommunen vertrauen beim Materialeinsatz oder bei Endprodukten in Hoch-, Tief- und Landschaftsbau, Verkehrstechnik, Logistik und Verpackungstechnik auf hochwertige, innovative und vor allem günstige Lösungen mit Systalen Regranulat.
Foto: Der Grüne Punkt

Es müssen neue Anreize geschaffen werden

2019 ist das neue Verpackungsgesetz in Kraft getreten. Demzufolge sind die gesetzlichen Vorgaben von vorher 36 Prozent zu recycelndem Kunststoffabfall auf 58 Prozent gestiegen und soll ab 2022 nochmals um weitere 5 Prozent erhöht werden. Auch die Europäische Union legt die Latte beim Recycling deutlich höher: Die Änderungen der Abfallrahmenrichtlinie umfassen im Kern erweiterte Anforderungen zur Förderung der Vermeidung von Abfällen, außerdem die Festlegung von Zielen für das Recycling und die Vorbereitung zur Wiederverwendung von Siedlungsabfällen. Die Mitgliedstaaten müssen Maßnahmen treffen, um die Wiederverwendung von Produkten zu stärken, und sie müssen Systeme schaffen, die Reparatur und Wiederverwendung fördern. „Die Deponierung von Siedlungsabfällen, in Deutschland schon seit 15 Jahren verboten, möchte die EU auch in den anderen Mitgliedstaaten, die sie heute noch erlauben, einschränken und möglichst bald beenden“, so Völl.
China ist in der Lage, aufgrund seiner großen Produktionsstätten, weiterhin kostengünstigen Kunststoff anzubieten. Recyclen ist und bleibt dagegen immer noch eine kostenintensive Alternative. Der Kauf und das Einsammeln von Verpackungsabfällen, dazu die Kosten für Transport, Lagerung und Verarbeitung, verbunden mit hohen Personalkosten lassen eine angemessene Wirtschaftlichkeit nicht verwirklichen. Und nicht alle Sortierfraktionen, wie Metalle, Aluminium, Getränkekartons sowie andere Kunststoffgruppen sind gleichermaßen ergiebig in ihrer Verwertung. Je hochwertiger das Endprodukt wird, desto sauberer muss es sein und desto höher sind die Herstellungskosten. Pressesprecher Völl ist überzeugt: „Der Staat muss dringend Anreize schaffen. Das hat ja beispielsweise auch in der Energie- und Automobilwirtschaft (Förderungen von Erneuerbaren Energien und für Elektroautos) zum Umdenken geführt und entscheidend zu Veränderungen beigetragen. Glas und Papier sind da schon viel weiter. Altglas und Altpapier sind hier die bei weitem wichtigsten Rohstoffe. Solange die Hersteller von Kunststoffverpackungen keine Motivation erhalten in hochwertiges und wiederverwertbares Material zu investieren, werden wir den Teufelskreis nicht durchbrechen“.
Foto: Der Grüne Punkt

Alles in eine Tonne ist keine Option

Vor Jahren gab es verschiedene Testläufe, an denen auch Der Grüne Punkt als Projektpartner mit großem Interesse teilnahm. Die Aufgabenstellung war: Warum nicht Müll aus grauer und gelber Tonne gemeinsam in einer Anlage sortieren lassen, um Kosten zu sparen? Es gab viele gute Ansätze, dennoch hat sich kein Verfahren durchsetzen können. „Restmüll und die Abfälle aus dem gelben Behälter zusammenzuführen, ist technisch zwar möglich, doch die Kosten für notwendige Infrastrukturen wären so hoch, dass sich diese Form der Müllentsorgung wirtschaftlich nicht auszahlt“, kommentiert Völl. Anstelle von fast drei Millionen Tonnen Müll im Jahr müssten bei diesem Vorgehen nahezu 17 Millionen Abfallmengen verarbeitet werden. Dafür reichen die vorhandenen Kapazitäten nicht aus und müssten um viele neue Sortieranlagen erweitert werden. Bei Kosten von 30 Millionen € pro Anlage geht die Rechnung bei einer solchen Umstellung nicht auf.

Mülltrennung Stadt vs. Land

Verschlossen in eigens dafür gebauten Müllgaragen oder an der Hecke neben dem Gartentor aufgereiht: Gerade auf dem Land schmücken vielerorts dunkle Tonnen mit ihren bunten Deckeln die Vorgärten der Eigenheime. Während in den ländlichen Regionen zwischen Rest-, Bio- und Plastikmüll fein säuberlich getrennt wird, stehen vor großen städtischen Wohnanlagen schwarze Müllcontainer, die von den Bewohnern mit unsortiertem Restmüll, außer Glas und Papier, gefüllt werden. Kaum zu glauben, aber diese Maßnahme ist keine Willkür, sondern politisch begründet. Jede Gemeinde darf selbst über ihre Abfallwirtschaft bestimmen. Kleine Tonnen sind kein Zwang und große Müllbehälter, die außer Glas und Papier alles beinhalten dürfen, deutlich günstiger. Kein Wunder, dass sich Vermieter von Wohnanlagen dann oft für die kostengünstigere Variante entscheiden. Schließlich schlägt sich der Preis für die Müllversorgung auch auf den Mietpreis nieder. „Das ist in der Tat eine unserer größten Baustellen. Wenn der Vermieter entscheidet, keine Gelbe Tonne aufstellen zu lassen, kann man ihn kaum dazu zwingen. Die höheren Kosten für das zu große Restmüllvolumen tragen die Mieter über die Nebenkostenabrechnungen. Wenn es aber eine Getrenntsammlung gibt, dann muss sie gerade in Großwohnanlagen sehr gut betreut werden, sonst nehmen die Fehlwürfe überhand. Da ist noch viel zu tun,“ fordert Völl.

Der Grüne Punkt

Vor 30 Jahren, am 28. September 1990, wurde das Unternehmen in Bonn als „Der Grüne Punkt – Duales System Deutschland Gesellschaft für Abfallvermeidung und Sekundärrohstoffgewinnung mbH“ gegründet. Die Unternehmen des Grünen Punkts sind als Dienstleister für die erweiterte Produzentenverantwortung, als führender Sekundärrohstofflieferant für Kunststoffe und als Premium-Produzent von Kunststoffrezyklaten der Lösungsanbieter für die Bedürfnisse der Kreislaufwirtschaft. Die Der Grüne Punkt – Duales System Deutschland GmbH (DSD) hat mit dem Grünen Punkt als ihrem Markenzeichen das duale System in Deutschland mit eingeführt und aufgebaut und steht für intelligente Rücknahmesysteme sowie die Entwicklung und Vermarktung innovativer Rezyklate und Dienstleistungen.

Fachbegriffe

Rezyklat ist ein Produkt eines Recyclingprozesses. Es handelt sich um eine Formmasse bzw. einen aufbereiteten Kunststoff mit definierten Eigenschaften. In vielen Fällen wird das Rezyklat in Neuware eingemischt. Ein Rezyklat hat in seinem Werdegang im Allgemeinen bereits einen Verarbeitungsprozess hinter sich.
Mahlgut wird durch Mahlen von Kunststoff gewonnen. Mahlgut hat unterschiedliche und unregelmäßige Teilchengrößen von 2 mm bis 5 mm und kann Staubanteile enthalten.
Regranulat wird aus Mahlgut über einen Schmelzprozess als Granulat gewonnen. Regranulat hat eine gleichmäßige Korngröße, keinen Staubanteil und ist problemlos verarbeitbar.
Regenerat wird über einen Schmelzprozess (Compoundieren) unter Beigabe von Zusätzen (Additiven) zur Eigenschaftsverbesserung gewonnen. Regenerat hat gleichmäßige Korngröße, keinen Staubanteil und ggf. definierte Eigenschaftswerte.

Weitere Infos: gruener-punkt.de

Redakteurin: Gudrun Göller

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